Gedanken zur Ernährung

Individuelle Fütterung

Ganz bewusst schlagen wir vielfach einen etwas anderen Weg ein als unsere grossen Mitbewerber. Wir bieten auch nicht nur ergänzende „Büchsen“ an, sondern versuchen die Fütterung von A-Z zu optimieren und Ihnen ein Gesamtpaket zu bieten. Wichtig ist uns auch, dass Sie rasch Ergebnisse sehen können, was wiederum nur mit dem Gesamtpaket möglich ist. „Individuelle Fütterung“ löst manchmal zuerst etwas Stirnrunzeln aus. Vor wenigen Tagen führte ich ein solches Gespräch. Mein Gegenüber sah sich dabei mit seinen 5 Pferden erst mit mindestens 10 verschiedenen Futtertonnen und 13 Zusatzbüchsli und einem enormen Zeitaufwand konfrontiert.
Ich komme sehr oft in Ställe mit 5 – 10 Pferden, die alle dasselbe Mischfutter erhalten. Da ist die heisse, viel zu dünne Stute,  ein fauler, leicht dicklicher Wallach, weiter ein 25-jähriger Senior mit Verdacht auf Cushing, vis-a-vis ein Springpferd Niveau 115/120, das 5. Pferd ist verletzt und Nr.6, die Zuchtstute trägt seit 8 Monaten. Zu guter Letzt ist irgendwo noch ein Shetti für die Kids. In der Regel passt dann das Futter, welches verfüttert wird auf  knapp 20% dieser Pferde-WG. Und bei allen anderen? Der eine sollte zunehmen und weniger heiss sein. Das Shetti sollte aufhören sind regelmässig wund zu scheuern und die Schweife der Pferde zu fressen. Der nächste sollte mehr Einsatz zeigen, der Senior hat die ersten Anzeichen von Hufrehe bereits gezeigt und bei dem hinten links wäre man froh, wenn er etwas mehr Muskeln hätte.

Hausi_Eiken

Keine Angst: es braucht nicht 10 Futtertonnen und auch keine 13 Büchsen. Der Aufwand wird, um wirklich rasch Ergebnisse zu sehen zu Beginn etwas grösser sein, doch auch das lässt sich mit der Zeit optimieren, wenn sich alles eingespielt hat und die passende Fütterungl umgesetzt ist.

Andere Ställe sind ausgeglichener. Beispiel: 5 Araber, alle laufen im Endurancesport. Oder ein Stall mit 5 Vollblütern, alle im Rennsport tätig. Kann sein, dass man da rein technisch etwas einfacher füttern kann, da die Pferde vom Typ und der Leistungsanforderung ausgeglichener sind. Nur, der Endurancestall braucht ein ganz anderes Futter als der Rennstall. Die einen Pferde sollten über x Stunden 160 km absolvieren und möglichst nicht nach 100 km das Handtuch werfen. Die Vollblüter sollten die wenigen Meter möglichst schnell absolvieren. Diese verschiedenen Herausforderungen allein zu trainieren reicht nicht – hier braucht es auch noch das richtige Benzin dazu. In diesem Sinne haben wir ein Sortiment entwickelt, dass sowohl fertig vitaminiertes und mineralisiertes Mischfutter, wie auch Einzelkomponenten, Konzentrate und Zusätze enthält.

Mein Gegenüber von vorhin hat dann noch meine absolute Lieblingsfrage gestellt: „Ja, gumpe sie de höcher mit Dim Fuetter?“

Ich habe es leider noch nicht nachmessen können… Fakt ist aber, dass Sportpferde aller Disziplinen erfolgreich sind und sich nach Wettkämpfen schneller erholen, PSSM-Reining Pferde wieder arbeiten können, Rennpferde ihr genetisches Potential ausschöpfen, Endurance-Pferde die langen Distanzen überwinden, einst magere Pferde auch nach einem Einsatz nicht wieder eingefallen sind. Die Springpferde liegen gegenüber den beiden Extremen Langzeitleistung und Schnellkraft im grossen Mittelfeld. Sie absolvieren unter der Woche Trainings, wo Ausdauer und Muskelschnellkraft gefragt ist. Wir verladen sie am Wochenende und fahren zum Turnier. Zwischen den Einsätzen stehen sie im Hänger, egal was für Temperaturen herrschen. Und das Woche für Woche. Wenn wir Pech haben nerven sie sich noch während der Fahrt, die je nach Niveau und Austragungsort Stunden dauern kann. Zu Hause sind sie in einem grossen Sport- oder Pensionsstall, wo alle das gleiche Futter bekommen. Die etwas „Teureren“ bekommen vielleicht noch Zusätze, ohne dass man je das Grundfutter hinterfragt hat und abgeklärt hat, ob es überhaupt passt und mit den Zusätzen harmoniert. Der Salzbedarf und damit die Zufuhr der allerwichtigsten Elektrolyte (Wasserhaushalt) dagegen, darf über einen Leckstein gedeckt werden, der bereits seit mindestens 6 Monaten unberührt in der Box hängt… Freude am Einsatz und an der Bewegung funktioniert auf Dauer nur mit einem bedarfsgerecht ernährten Pferd. Im Springsport, wo Routine und konstante Leistung ein grosser Erfolgsfaktor sind, ist das besonders wichtig. Und um die Frage zu beantworten: „Ja, wenn sie vorsichtig genug am Sprung sind, einen passenden Piloten im passenden Sattel haben, Freude an der Arbeit zeigen und nicht ausgelaugt sind, springen sie was ihr genetisches Potential mit sich bringt. Und das ist in der Regel weit mehr als was man von ihnen fordert.

Und zu guter Letzt noch das: Pferde sind und bleiben Herdentiere. Das schwächste Tier der Herde oder ein hinkendes Tier ist somit dasjenige, welches von den Raubtieren gefressen wird. Die Pferde wissen das und sie wissen es tatsächlich auch heute noch. Sie lassen sich deshalb sehr, sehr lange nichts anmerken, wenn etwas nicht stimmt. Immer wieder wird bei Abgängen, die untersucht werden erstaunt festgestellt: „Dass der noch gerade ging grenzt an ein Wunder!“

Dieses natürliche Verhalten der Pferde beobachtet man bei Gelenks- und Rückenproblemen. Wenig zum Tragen kommt es, wenn Koliken im Spiel sind. Der nachstehende Auszug aus einer Publikation zeigt dies auf „Die mit Abstand häufigste Magen-Darm-Erkrankung des Pferdes ist das Koliksyndrom. Von den zwischen 1996 und 2000 in der Pferdeklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich eingelieferten Pferden mit Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes litten 74,3 % unter Koliksymptomen (FEIGE et al. 2002).“

Bis heute hat sich daran leider noch nicht viel geändert. Koliken rangieren sehr weit oben in der Rangliste der Abgangsursachen und Koliken haben, auch wenn sie stressbedingt sind, immer noch irgendwas mit der Rationszusammenstellung, der Futtermenge oder der Fütterungstechnik zu tun.