Fütterungsfrequenz

Genauso wichtig wie das richtige Futter!

Wenn wir 100 Jahre zurückschauen in die Zeiten, wo Pferde täglich in der Landwirtschaft, im Transportwesen und in der Armee eingesetzt wurden, haben deren Betreuer diese 4 bis 5 mal pro Tag gefüttert. So wurde gewährleistet, dass die Pferde genügend Energie für ihre tägliche Arbeit erhalten. Auch Pferdehändler setzten dies um, da die Pferde dann gesünder waren und rascher einen Käufer fanden.
An das moderne Pferd werden ganz andere Ansprüche gestellt. Die Arbeit ist weniger anstrengend, und die Pferde bewegen sich viel weniger als früher.

Die Fütterungsfrequenz (= Anzahl Mahlzeiten pro Tag) hat jedoch einen Einflusss auf physiologische Parameter, speziell auf den Magen und übrigen Verdauungstrakt, wie auch auf das Verhalten.

Raufutter

Dieses sollte möglichst immer zu Verfügung stehen. Sei es durch Weidegang, regelmässige Heugaben oder Heu zur freien Verfügung. Letzteres ist nicht bei jedem Pferd durchführbar (Übergewicht). Eine erhöhte Heuaufnahme steigert den Wasserkonsum, weshalb dieses immer zu Verfügung stehen muss.
Pferde fressen Heu in einem anderen Tempo als Kraftfutter. Es dauert rund 4 mal länger bis die gewichtsmässig gleiche Menge Heu gefressen ist.
Auf der Weide sind Pferde 12 bis 20 Stunden mit Grasen beschäftigt. Weil Gras viel Wasser enthält (70-90%) muss mehr Gras gefressen werden bis gleich viele Kilos wie trockenes Heu (Wassergehalt 10-15%) aufgenommen ist.

Aufgestallte Pferde fressen 6 bis 8 Stunden lang Raufutter, wenn ihre gesamte Tagesfuttermenge noch mindestens zu 20 % aus Kraftfutter besteht. Bekommen sie kein Kraftfutter, verlängert sich die tägliche Raufutteraufnahme  auf 12-16 Stunden. Die Zeit der Raufutteraufnahme lässt sich durch Heufütterungsautomaten in die Länge ziehen. Diese eignen sich sehr gut für Pferde mit geringem Energiebedarf oder leichtfuttrige Pferde.

Wird mehr Heu tagsüber oder nachts gefressen? Die Raufutteraufnahme geschieht etwas häufiger bei Tageslicht, während es nachts etwas weniger ist. Mehr als die Hälfte der Nachtstunden schlafen die Pferde.

Die Fütterungsfrequenz beeinflusst die Raufutteraufnahme. Wenn Pferde 8 kleine Kraftfutterrationen erhalten fressen sie mehr Raufutter, als wenn sie nur zwei Kraftfutterrationen erhalten. Wenn ein Pferd mehr Heu fressen soll geben sie ihm häufiger kleine Kraftfutterportionen.

Kraftfutter (Getreidehaltig)

Die Anzahl der Kraftfutterrationen zu erhöhen und die Menge pro Mahlzeit gleichzeitig zu senken hat positive Auswirkungen. Ein Vorteil ist die glykämische Antwort der Mahlzeit und die Konsequenzen daraus. Die glykämische Antwort ändert sich signifikant, wenn die Kraftfuttertagesmenge in einer, 2 oder mehreren Mahlzeiten verabreicht wird. Eine einzige Mahlzeit führt zu einem höheren glykämischen Index und als Folge davon auch zu einer grösseren Insulinausschüttung. Interessanterweise ist die glykämische Antwort auf die Morgenmahlzeit am stärksten, unabhängig davon wie viele Mahlzeiten über den Tag hinweg verfüttert werden. Dem ist Beachtung zu schenken bei Pferden wo die glykämische Antwort eine Rolle spielt und kontrolliert werden soll (z.B. Endurance). Da am Morgen unbedingt die kleinste Rationsmenge geben.

Ebenfalls einen Einfluss auf die glykämische Antwort hat die Reihenfolge der Verabreichung der Futtermittel. Bei Pferden, die nur eine einzige Kraftfuttermahlzeit erhalten, ist die glykämische Antwort höher, wenn das Heu 15 Minuten vor dem Kraftfutter verabreicht wird. Tiefer dagegen, wenn das Heu 15 Minuten nach dem Kraftfutter verabreicht wird. Dies wird nicht beobachtet, wenn die Pferde mehrere Kraftfutterrationen pro Tag erhalten. Auch beobachtet wird, dass Pferde, die das Kraftfutter vor dem Raufutter erhalten öfters am Holz nagen.

Kraftfutterfütterung hat auch einen Einfluss auf Koppen, Weben und anderes stereotypes Verhalten. Bei freier Kraftfutterwahl wurde weniger gekoppt (wie genau, dieser Versuch gemacht wurde ist mir auch noch nicht klar).Mehr gekoppt wurde, wenn das Kraftfutter in stündlichen Mahlzeiten verbreicht wurde als wenn nur 2 mal pro Tag Kraftfutter gegeben wurde.

Stereotypes Verhalten wie Holz kauen oder Koppen sind oft die Folge von Langweile, können aber ebenso durch Entzündungen/Geschwüre oder abnormale Säureverhältnisse im Magen verursacht werden. Bei chronischen Koppern wird ein tieferer pH im Magen gemessen als bei nicht koppenden Artgenossen. Antazide (Preventer) oder getreidefreies- bzw. kohlenhydratreduziertes Kraftutter haben einen positiven Einfluss und können die lästige Kopperei reduzieren.


Anzahl Mahlzeiten pro Tag

Neben dem angesprochenen glykämischen Index ist bei grossen Kraftfuttergaben der Kapazität des Verdauungstraktes Beachtung zu schenken. Grosse Kraftfuttergaben können die Möglichkeiten des Dünndarmes die Getreidestärke aufzuschliessen überfordern. So erreicht zu viel unverdautes Getreide die hinteren Darmabschnitte. Die Folgen der mikrobiellen Fermentierung können von Durchfall, Koliken bis zu Hufrehe führen.

Generell gilt, dass pro Mahlzeit nicht mehr als 500 gr getreidehaltiges Kraftfutter (>30% Stärke) pro 100 kg Körpergewicht verabreicht werden soll. Bei grösseren Mengen sollte es unbedingt auf mehrere Mahlzeiten aufgeteilt werden. Ist der Stärkegehalt grösser sind die Empfehlungen der Menge pro Mahlzeit noch kleiner wie untenstehende Tabelle zeigt.

Stärkegehalte von verschiedenen Futtermitteln in %:

Maisflocken 70 %
Gerste dampfgewalzt 63 %
Combi ohne Hafer 48 %
Hafer dampfgewalzt 45 %
Combi mit Hafer 4 2 %
RicePower 14 %
Basic 8 %
Lumbago 5.6 %
Optibeets 1.0 %

Maximale Mahlzeitgrösse für optimale Stärkeverdauung im Dünndarm:

Körpergewicht <30%  Stärke 30-40%  Stärke >40 %  Stärke
400 kg 2 kg 1.2 kg 1 kg
450 kg 2.25 kg 1.35 kg 1.125 kg
500 kg 2.5 kg 1.5 kg 1.25 kg
550 kg 2.75 kg 1.65 kg 1.375 kg
600 kg 3 kg 1.8 kg 1.5 kg
650 kg  3.25 kg 1.95 kg 1.625 kg
700 kg 3.5 kg 2.1 kg 1.75 kg

Mit Mahlzeiten, welche mehr als 1.1 g Stärke pro kg Körpergewicht aufweisen erhöht sich das Risiko der Bildung von Magengeschwüren.

Magengeschwüre stehen auch in engem Zusammenhang mit unregelmässiger Fütterung. Bei Pferden, welche 12 Stunden kein Zugang zu Futter haben sinkt der pH im Magen bis auf den Wert 2! Der Bildung von Magengeschwüren steht nichts mehr im Wege. Wenn im Pensionsstall 3 x gefüttert wird ist das schon mal nicht schlecht. Finden diese Mahlzeiten jedoch um 07:00, 12:00 und 17:00 statt, ist das sehr schlecht!

Eine Senkung des pH im Magen wird oft auch nach Kraftfuttergaben oder reinen Getreidegaben beobachtet. Bei Pferden die auf der Weide gehalten werden liegt der pH im Magen dagegen zwischen 4 und 6.

Eine erhöhte Mahlzeitenfrequenz ist auch sehr wichtig, wenn Pferde an bestimmten Krankheiten, z.B. der Hyperkaliämischen periodischen Paralyse leider. Je weniger Kalium pro Mahlzeit verabreicht wird desto besser. Dies natürlich zusammen mit möglichst kaliumarmen Futtermitteln.

Die richtige Fütterungsfrequenz unter Einbezug physiologischer- und Verhaltensaspekte richtet sich nach der Tagesmenge an Futter, welche das Pferd benötigt um in Form zu sein (und bleiben). Häufiger bis permanenter Zugang zu Raufutter ob Gras oder Heu ist ein massgebender Punkt der optimierten Fütterungstechnik.  Angemessene Kraftfutterrationen beeinflussen die glykämische Antwort, vermeiden eine Überlastung des Verdauungstraktes und werden sich auf das Verhalten des Pferdes auswirken. Werden viele Kalorien benötigt und Stärkereiche Futtermittel eingesetzt, sollte die Mahlzeitenfrequenz entsprechend angepasst werden. Wahrscheinlich braucht nicht jedes Pferd 4 Mahlzeiten, wie seine hart arbeitenden Vorfahren. Dennoch gehört die Betrachtung der Fütterungsfrequenz genauso zur optimierten Fütterung wie die Optimierung der Rationszusammenstellung.